Heute steht die nächste Stadt auf dem Programm: Cádiz.
Wir entscheiden uns, mit dem Zug hinzufahren. Den Roller stellen wir am Bahnhof von Jerez ab.

Im Vorfeld hatten wir uns über Abfahrtszeiten und Tickets informiert; noch schnell alles in den Ticketautomaten eingegeben (inklusive der Handy-Nummer 😱)…. um dann festzustellen, dass wir nicht die „S-Bahn“ sondern den Fernverkehrszug gebucht hatten. Na ja, nicht schlimm – die Fahrkarten waren günstiger und wir hatten reservierte Plätze (auf denen schon zwei Spanierinnen saßen, aber es gab genügend freie Sitze). Die Wartezeit überbrückten wir mit einem Café con Leche.


Die Fahrt nach Cádiz ging durch Salinenfelder und steppenartige Ebenen. Die Stadt selbst liegt auf einer Insel und gilt allgemein als die älteste, ununterbrochen bewohnte Siedlung Europas. Die Stadt wurde von den den Phöniziern 1.100 v. Chr. als Gadir gegründet. Auch hier sind jede Menge Touristen unterwegs, aber es verläuft sich in den Gassen und man findet überall schöne und ruhige Ecken.

Wir besichtigen das Römische Theater und freuen uns, dass wie EU-Bürger sind (die haben nämlich freien Eintritt).

Nach dem Theater kommen wir an einer kleinen Gasse mit einer Interessanten Geschichte vorbei.

El Callejón del Duende

In der Straßenkarte von Cádiz gibt es Winkel und Wege, die von Geschichte und Legenden durchdrungen sind. Bereits haben wir bei einer anderen Gelegenheit die Traditionen erwähnt, die die Straße des Farbstoffs (Ruta del Tinte) prägen, die nach der dort existierenden Tintenfärberei benannt wurde. Dieses Mal befassen wir uns mit einer weiteren sehr typischen Straße, über die zahlreiche Geschichten erzählt werden. In Cádiz gibt es, wie in vielen Städten Spaniens, eine Gasse namens El Callejón del Duende. Es lässt sich feststellen, dass in verschiedenen Städten eine urbane Route existiert, die einer Legende gewidmet ist, in der von Kobolden die Rede ist.

Der Duende bedeutet mehr als nur ein schelmischer Geist; er kann auch eine künstlerische Ausdrucksform sein, die einen unbeschreiblichen Charme besitzt. Der Callejón del Duende, der den Ausgang des römischen Theokolos (Wassersaal) mit der Straße Mesón in Cádiz verband, wurde erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt, genauer gesagt, bei Beginn der Restaurierung des römischen Denkmals vor einigen Jahren. Heute ist er geschlossen, um ihn vor möglichen Vandalismusakten zu schützen. Es ist die schmalste Straße der Stadt. Früher mündete sie auf dem Platz Fray Félix, wurde jedoch zugeschüttet, sodass sie heute eine Sackgasse ist. Die Form der Straße ist etwas gebogen, wie die meisten gaditanischen Straßen, um dem Wind entgegenzuwirken.

In der Vergangenheit wurde die Straße von Schmugglern frequentiert, was den Namen möglicherweise erklärt. Jeder erklärt das auf seine eigene Weise:
Für manche ist es, weil einer der bekanntesten Duende hieß.
Andere wiederum erzählen, dass diese Figuren die Gerüchte verbreiteten, auf ihrer Strecke seien geisterhafte Wehklagen zu hören gewesen, um die Einwohner abzuschrecken, damit sie die Gelegenheit für ihre Schmugglerunwesen ungestört ausführen konnten.

Der Legende nach verliebte sich während der napoleonischen Invasion in Spanien ein französischer Kapitän unsterblich in eine schöne Einheimische aus Cádiz. Diese, die zunächst sein Spiel mitspielte, um ihren Freund zu befreien, gab schließlich ihrer leidenschaftlichen Liebe zum gallischen Soldaten nach. Das Paar wurde von den Patriot:innen wegen Verrats hingerichtet. Durch ein Gitter können Besucher diesen historischen Winkel betrachten und sich, in Gedanken in die Zeit versetzt, die damaligen Begegnungen vorstellen. Die Anwohner erzählen fantasievoll, dass man jedes Jahr in den frühen Morgenstunden des Allerseelentages die Klagen des Paars hören könne.


Dann schlenderten wir durch die Markthalle und nahmen einen kleinen Imbiss.


Der Aufstieg auf den „Torre Tavira“ folgte – man hat eine tolle Aussicht auf die ganze Altstadt. Außerdem befindet sich hier die erste „Camera Obscura“ Spaniens. Wir nahmen an einer Vorführung teil, die eine junge Spanierin auf deutsch machte. Toll, eine 360-Grad-Ansicht der gesamten Stadt (gestochen scharfe Bilder).


Eigentlich wollten wir auf einem schönen Platz einen Kaffee trinken, aber in der Bar gab es keinen – also nahmen wir ein Sherry (sehr gute Alternative).


Der Spaziergang ging weiter an der Strandpromenade entlang. Zwei Befestigungsanlagen besichtigten wir noch.


Die Spanier scheinen ein interessantes Verhältnis zu Katzen zu haben – unterhalb der Kaimauer standen diverse Katzenkörbe und kleine Hütten als Unterkünfte.


Die Kathedrale wollten wir eigentlich auch besichtigen, aber sie schloss um 18 Uhr, wir waren zu spät… beim nächsten Mal.
Jetzt hatten wir erstmal Hunger – leider essen die Spanier erst ab 20 Uhr zu Abend und die Restaurants waren noch geschlossen. Einzige (hilflose) Alternative: KFC ( wir waren die einzigen Gäste 🤣).
Die Lichter gehen in den Straßen und auf den Plätzen an… welch schöne Atmosphäre.


Fazit: wir sind 13 Kilometer gelaufen und finden Cádiz wunderschön… wir kommen wieder 🤩

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